Schlange5gestrecktspitz Entstehung des Konzeptes

Entstehung des Praxiskonzeptes

Im Verlauf von mehr als 20 Jahren orthopädischer ärztlicher Tätigkeit hat sich meine Einstellung zu Ursachen und Folgen der Erkrankungen des Bewegungsapparates (der “orthopädischen Erkrankungen”) kontinuierlich verändert:

In den Jahren der Arbeit in orthopädischen Klinikabteilungen (1986-1990) die meiner chirurgischen Grundausbildung (1984-1986) folgte, stand die operative Tätigkeit beherrschend im Vordergrund. Gerade den jungen Arzt verlockt die Möglichkeit mit geschickter handwerklicher Arbeit und mit High-Tech-Methoden die “störenden”, “defekten” Organteile des Bewegungsapparates zu “reparieren” oder wegzuschneiden und wo möglich durch neue Teile zu ersetzen. Ähnlich, wie ich es früher in einem Job in einer Autowerkstatt gemacht hatte. Mit den “konservativen” (=”erhaltenden”, nichtoperativen) orthopädischen Behandlungsmethoden bin ich damals - so wie auch heute wohl der größte Teil der jungen Klinikärzte - kaum in Berührung gekommen.

Mit der Übernahme einer Orthopädischen Praxis im Jahre 1990 musste ich mich dann zwangsläufig mehr um die Patienten kümmern, die mit Schmerzen kamen, denen aber operativ nicht zu helfen war. Es folgten die für Orthopäden typischen Zusatzausbildungen in Chirotherapie und Akupunktur sowie der Besuch von Kongressen und Seminaren über die Krankheitsbilder, die ich in der Klinik kaum kennengelernt hatte, wie zum Beispiel die Osteoporose. Den Massenandrang der orthopädischen Schmerzpatienten in der Kassen- (=Massen-)Praxis behandelte ich aber so, wie Orthopäden das eben machen: Das wichtigste (oder zumindest am häufigsten eingesetzte) diagnostische Hilfsmittel war die hochmoderne neue Röntgenanlage, für eine gründliche körperliche Untersuchung fehlt ja meistens die Zeit. Für die Therapie wurden neben ungezählten Spritzen eine Vielzahl von physikalischen Therapiemethoden eingesetzt: Fangopackungen, Massagen, Krankengymnastik, Bestrahlungen, Elektrotherapien, Extensionsbehandlungen, Ultraschall und vieles mehr, eben alles Methoden, die an Helferinnen delegiert werden können und die teure Zeit des Arztes nicht in Anspruch nehmen. Leider aber im Wesentlichen für den Patienten passive Verfahren, die wohl angenehm sind, die Beschwerden auch vorübergehend lindern, aber die Ursache der Schmerzen nicht beheben.

Im Verlauf der 90-er Jahre wuchs dann meine Unzufriedenheit über diese Praxiskonzept. Die Tatsache, dass jeden Tag die physikalische Therapieabteilung von Patienten geradezu überlaufen wurde zeigte mir einerseits wohl, dass das, was dort gemacht wurde, den Patienten gut getan hat, sonst wären sie ja nicht freiwillig immer wieder gekommen! Wenn es die Ursache der Beschwerden behoben hätte, hätten sie aber nicht über so lange Zeit immer wieder kommen müssen.

So begann ich schon früh, meine Patienten zu ermuntern, aktiv zu trainieren; nachdem ich dann selbst mehr über die Zusammenhänge zwischen dem Zustand der segmentalen Rückenmuskulatur und den chronischen Rückenschmerzen gelernt hatte, nahm ich die Medizinische Kräftigungstherapie in das Praxiskonzept auf und konnte erstmals bei einem grossen Prozentsatz der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen durch eine kausale Therapie das Problem an der Ursache lösen. Die Patienten wurden - und blieben - schmerzfrei!

Ich musste aber auch lernen, dass das, was für eine grosse Zahl von Patienten die Lösung des Problems war, bei Anderen keine Wirkung hatte, oder die Schmerzen sogar verschlimmerte.

Durch die Beschäftigung mit einer Reihe weiterer - teils auch naturheilkundlicher oder sonstiger alternativer - Diagnostik- und Therapiemethoden wurde (und wird weiterhin) das Praxisspektrum erweitert. Nach einer sorgfältigen Analyse des Krankheitsbildes jedes einzelnen Patienten kann so nun immer häufiger die für Ihn nach Möglichkeit ursächlich wirksame Therapiemethode gefunden werden. So haben wir inzwischen vielen (leider noch nicht allen) Patienten die bereits eine lange Odyssee hinter sich hatten und denen bisher gesagt wurde, mit den Schmerzen müssen sie leben, ihre Schmerzen nehmen - oder zumindest deutlich lindern - können.

Zum richtigen Verständnis des Krankheitsbildes des einzelnen Patienten ist aber ein ausführliches Gespräch und eine gründliche körperliche Untersuchung wichtiger als Röntgen, CT oder die Kernspintomographie! Im Gegensatz zu diesen bildgebenden Untersuchungen kann das Gespräch und die Untersuchung nicht delegiert werden sondern braucht viel Zeit des Arztes für den Patienten. Im Gegensatz zu den Kosten für die delegierbaren technischen Untersuchungen, die nicht nur von den privaten, sondern auch von den gesetzlichen Krankenkassen betriebswirtschaftlich ausreichend honoriert werden, bekommt der Arzt, der eine halbe Stunde für Gespräch und Untersuchung aufwendet aber keinen Cent mehr von der gesetzlichen Krankenkasse, als der, der das in drei Minuten schafft (der bekommt aber für eine Stunde dann zehn mal soviel von der Krankenkasse, um die Praxiskosten damit zu tragen und auch selbst noch etwas zu verdienen!).

Durch den zunehmend höheren zeitlichen Aufwand, den ich für den einzelnen Patienten betrieben habe, ist die Zahl der Patienten, die ich im Monat behandeln konnte (und im gleichen Masse damit auch das kassenärztliche Honorar) drastisch zurückgegangen, sodass diese Praxisführung (zumindest im kassenärztlichen Bereich) betriebswirtschaftlich nicht mehr machbar war. Da die Möglichkeit, gerade den Patienten mit chronischen und sonst therapieresistenten Schmerzen, die keine Aussicht mehr sehen ihre Schmerzen ausser mit starken Medikamenten oder Spritzen zu lindern, ursächlich zu helfen, anders nicht besteht, habe ich mich zum Jahresbeginn 2005 entschlossen, die kassenärztliche Tätigkeit einzustellen.

Da natürlich auch bei den Privatpatienten der zehnfache Zeitaufwand nicht mit dem zehnfachen (sondern beim Ansatz des 3,5-fachen statt des sonst üblichen 2,3-fachen Steigerungssatzes allenfalls mit ca. 50% mehr) Honorar abgerechnet werden kann, wurde der Praxisaufwand drastisch reduziert. In einer kleinen Praxis werden jetzt mit wenig Personal nur noch höchstens zwei Patienten pro Stunde behandelt. Es gibt kein Wartezimmer mehr, kaum noch Wartezeiten und ich kann mir für jeden Patienten die Zeit nehmen, die zur Lösung seiner orthopädischen Probleme nötig ist. Nach wie vor ist der größte Teil der Patienten, die zu mir kommen gesetzlich versichert. Alle Patienten werden gleich behandelt, alle Patienten bekommen auch die gleichen Rechnungen. Die gesetzlich versicherten Patienten, denen ihre Schmerzen bei den orthopädischen Kassenärzten in wenigen Minuten nicht genommen werden konnten, sind in aller Regel gerne bereit, für die Erhaltung ihrer Gesundheit die Kosten zu tragen.

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