Schlangeneu2 Triggerpunkte

 

Was sind Triggerpunkte?

Einfach gesagt: Triggerpunkte sind kleinste Muskelverkrampfungen, die durch Überlastung von Muskelfasern entstehen und Schmerzen verursachen.

Das Besondere bei Triggerpunkten ist, dass diese Schmerzen in Körperareale  ausstrahlen können, die mit dem Ort des Triggerpunktes nicht zusammen  liegen.
Das Wort ”€žtrigger” englisch für auslösen meint genau dieses  Phänomen, einen Schmerz auszulösen der womöglich weit über das Areal des Triggerpunktes selber hinaus geht oder sogar gänzlich woanders  wahrgenommen wird als am Ort des eigentlichen Auslösers.

Ein oft  verwendetes Beispiel ist ein Triggerpunkt im Bereich der Gesäßmuskulatur der einen Schmerz in der Wade auslöst. Der Patient kommt so mit  Wadenschmerzen zum Arzt. Er berichtet, dass die Schmerzen immer nach  längerem sitzen (z.B. Auto fahren) auftreten.
Natürlich sind Patient  und der Arzt zunächst einmal der Meinung, dass der Schmerz auch aus der  Wade kommen muss, also wird hier untersucht. Aber alle modernen  Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, CT oder MRT werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an der schmerzenden Wade nichts ergeben.

Genau dieses Phänomen macht es für Ärzte und Patienten so schwierig die  Ursache der Schmerzen zu ergründen. Aber nur wenn die Ursache eines  Problems bekannt ist, kann eine Behandlung auch erfolgreich sein.

Ein anderes Beispiel ist der häufige ausstrahlende Schmerz vom Rücken ins  Bein.  Dieses Phänomen wird in der Regel als Ischiasschmerz bezeichnet.  Halten die Schmerzen länger an wird nach einem Bandscheibenvorfall  gesucht. Sofern die MRT-Bilder nichts Auffälliges zeigen, ist dies für  den Patienten zumindest harmlos.
Schlimmer wird es, wenn die  MRT-Bilder eine Bandscheiben- Veränderung zeigen. Dann gehen meist alle  Beteiligten davon aus, dass hier der Auslöser der ausstrahlenden  Schmerzen gefunden wurde. Dabei sind degenerative  Bandscheibenveränderungen (Osteochondrosen) oder gar  Bandscheibenvorfälle (Prolaps) gar nicht so selten. Was die Wenigsten  wissen ist, dass der Bandscheibenvorfall  aber nicht zwangsläufig auch  schmerzhaft sein muss.
Therapeutische Ansätze wie z.B. Spritzen im  Bereich der Bandscheiben und Nerven haben meist nur vorübergehende  schmerzlindernde Wirkungen, die dem Patienten aber nicht helfen, da die  Auslöser oftmals gar nicht die Bandscheiben sondern unentdeckte  Triggerpunkte in der Gesäßmuskulatur sind.
Diese Patienten haben oft viele Ärzte / Heilpraktiker / Therapeuten aufgesucht und  verschiedene Untersuchungs- und Behandlungsmethoden ohne anhaltenden  Erfolg über sich ergehen lassen. 
Der Hauptgrund war, dass die  Ursache der Schmerzen nicht erkannt wurde, weil an der falschen Stelle  gesucht und eine sehr häufige Ursache für ausstrahlende Schmerzen  übersehen worden ist: Die Muskulatur und Ihre Faszien.

Was geschieht genau in einem Triggerpunkt

Das winzig kleine Areal von dauerhaft verkrampften Muskelzellen sorgt für  eine lokale Entzündungsreaktion mit weitreichenden Folgen.

Der Nachweis dieser Entzündungsreaktion gelang dem amerikanischen  Forscher Jay Shah, der seine Forschungsergebnisse im Juli 2005 im  Japanese Journal of applied Physiology veröffentlichte.
Er konnte in Triggerpunkten erhöhte Konzentrationen von verschiedenen Neuropeptiden nachweisen, der pH-Wert des Gewebes war deutlich erniedrigt, d.h. es lag eine  Übersäuerung vor. Der Sauerstoffanteil in dem Teil des Gewebes ist  erniedrigt.

Nach der Behandlung der Triggerpunkte reduzierte sich die Konzentration dieser Entzündungssubstanzen drastisch und der  pH-Wert normalisierte sich wieder, d.h. die Übersäuerung ließ nach.

Diese für Laien aber auch für viele Ärzte schwer zu verdauende Information  über die Neurophysiologie der Triggerpunkte hilft die Entstehung  chronischer, therapieresistenter Schmerzen zu erklären.

Warum sind Triggerpunkte so schwer zu finden?

"Man sieht nur, was man weiß."

Triggerpunkte sind im Grunde nicht schwer zu finden, man muss nur  wissen, wo und wie man sie suchen muss. Damit dieses Wissen auf hohem  wissenschaftlichem Niveau im Rahmen eines etablierten und effektiven  Untersuchungs- und Behandlungssystems vermittelt wird, bietet die IGTM  die entsprechende Ausbildung zum Triggerpunkttherapeuten jedem  Interessierten Arzt und Physiotherapeut an. (siehe unter Ausbildung)

Man muss dem Patienten zunächst einmal genau zuhören. In dem oben  genannten Beispiel wäre die Aussage des Patienten, dass die  Wadenschmerzen immer bei längerem Sitzen auftreten, ein wichtiger  Hinweis, da die Wade beim Sitzen kaum belastet wird, wohl aber die  Gesäßmuskeln Druck bekommen.

 Dann muss man den Patienten untersuchen und zwar mit den Händen. Man kann im Bereich von Triggerpunkten den Muskel hart und verspannt  spüren. Man kann Stränge und Knoten in ihnen tasten. Diese Verhärtungen  sind außerordentlich empfindlich auf Druck. Übt man längeren und  kräftigeren Druck auf diese Muskelknoten aus, bemerkt der Patient einen  Schmerz, den er aber an einer anderen Stelle im Körper spürt. Jedoch  genau den Schmerz, der ihn immer wieder plagt.

So findet man Triggerpunkte, eine der häufigsten Ursachen von Schmerzen.

Wodurch entstehen Triggerpunkte ?

Die Überlastung eines Muskels ist schuld.

Diese kann entweder plötzlich (akut) entstehen, zum Beispiel beim  Sportler durch eine plötzliche Zerrung (Bspw. eine Adduktorenzerrung  beim Fußballer) oder durch einen Unfall wie etwa einen Schlag oder  Tritt gegen den Muskel beim Sport.  Auch ein Autounfall kann die  Halsmuskulatur akut überdehnen (sogenanntes Schleudertrauma).

Triggerpunkte können aber auch ohne erkennbares plötzliches Ereignis entstehen.  Beim Sportler durch zu intensives oder zu einseitiges Training mit zu kurzen Erholungspausen.

Am häufigsten ist heutzutage sicherlich die chronische Fehlbelastung  der Muskulatur durch einseitige berufliche Tätigkeiten (Bandarbeit) oder Fehlhaltungen, allen voran am Schreibtisch, im Büro oder vor dem PC.  Obwohl die Muskeln wenig bewegt werden leisten sie mit der Haltearbeit  des Kopfes und des Oberkörper doch Höchstarbeit.
Der Mensch und  seine Muskeln sind von der Natur für Bewegung gemacht und nicht für  ganztägiges Sitzen am Schreibtisch oder Stehen vor Maschinen. Hier  betrifft es oft die Schulter, Nacken- Armmuskulatur.

Es kommt zu Kopfschmerzen oder auch Armschmerzen mit Ausstrahlungen  bis in die Finger. Oder einen sogenannten Mausarm (von der  Computermaus).

Können sich Triggerpunkte ausbreiten ?

Das Triggerpunktsyndrom / Das myofasziale Schmerzsyndrom

Kommt es zu myofaszialen Triggerpunkten innerhalb eines Muskels, so wird  dieser in seiner Funktion beeinträchtigt. Er kann weniger Kraft  entwickeln und ist oft verkürzt. Das kann weitreichende Folgen haben.  Durch die Kraftminderung werden bei Bewegungen vom Körper andere Muskeln aktiviert die dem schwachen ”Kollegen” helfen müssen, dass kann auch  diese mit der Zeit überfordern. Durch die Verkürzung kann es zu  Fehlstellung des Gelenkes kommen, an dem dieser Muskel ansetzt. Auch  hier können mit der Zeit dann Folgeprobleme auftreten.
Das Problem  kann sich ausbreiten bis zu dem Punkt, an dem ganz normale Aktivitäten  wie Gehen, Stehen, Sitzen, Bücken, Heben etc. Schmerzen auslösen ohne  dass Röntgenbilder oder MRT Bilder schwerwiegende Veränderungen zeigen.  Man spricht dann vom Triggerpunktsyndrom oder auch myofaszialen  Schmerzsyndrom.

Können auch junge, gesunde Menschen Triggerpunkte bekommen?

Es gibt keine Alterbegrenzung für Triggerpunkte.

Auch junge Menschen können Triggerpunkte bekommen. Dies ist auch gar nicht  selten bei Triggerpunkten durch sportliche Überlastung oder auch einen  Unfall.  Bei diesen akuten Auslösern von Triggerpunkten bilden sich  diese jedoch oftmals auch von alleine wieder zurück.

Wenn dies  aber einmal nicht der Fall ist können entsprechend ausgebildeter  Therapeuten helfen. Interessanterweise ist die Behandlung von  Triggerpunkten im Hochleistungssport unter Ärzten und Physiotherapeuten  wesentlich bekannter als in der Breitenmedizin, da dieses Problem hier  gehäuft auftritt und die Spitzensportler auf jede Art muskulärer  Beeinträchtigung sehr empfindlich und mit einem Leistungsabfall  reagieren.

Wie werden Triggerpunkte behandelt?

Mittlerweile gibt es unterschiedliche Behandlungsmethoden um Triggerpunkte effektiv zu therapieren. 

Zum einen die manuelle Behandlung, also die Therapie mit den Händen des  Therapeuten ggf. unter Zuhilfenahme von ”€žMassagehölzchen”
Dabei werden die gefunden Triggerpunkte einem festen, für den Patienten noch erträglichen, Druck ausgesetzt.
Das Muskelareal wird dabei gedehnt, die Verkrampfung gelöst und die  Entzündungsstoffe beseitigt. Anschließend wird eine Art kleine Massage  in diesem Areal erfolgen, gefolgt von speziellen Hausaufgaben für den  Patienten.

Eine Andere Methode ist das sogenannte  “dry-needling”  als trockene Nadelung zu übersetzen, das bedeutet den  Triggerpunkt mittels einer Akupunkturnadel anzustechen. Die Infiltration eines Medikamentes ist hierbei nicht notwendig und auch dies führt zu  einer Entspannung und Normalisierung des Entzündungsprozesses.

Schließlich wird noch die Stoßwelle als Werkzeug zu Behandlung von Triggerpunkten  eingesetzt. Hierbei werden radiale oder fokussierte Stoßwellen auf den  Triggerpunkt geleitet, durch die sich die Triggerpunkte auflösen lassen. Diese Methode eignet sich besonders bei tiefliegenden Punkten oder bei  großflächiger Anwendung (Triggerpunktsyndrom)

Welche Methode zum  Einsatz kommt, hängt von der Erfahrung und Vorliebe des Therapeuten oder aber auch von der Lage der Triggerpunkte ab. Häufig werden diese  Methoden auch kombiniert eingesetzt. Das dry-needling ist in Deutschland nur Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten.

Ist die Behandlung gefährlich ?

Die Triggerpunktbehandlung, egal mit welcher Methode (siehe oben), ist sofern sie fachgerecht ausgeübt wird, ungefährlich.

Die IGTM engagiert sich mit der Organisation einer standardisierten  hochqualifizierten Ausbildung von Ärzten und Physiotherapeuten diese  effektive und nebenwirkungsarme Behandlungsmethode weiter zu  verbreiten, damit mehr Patienten davon profitieren können.

Es sollte hier nicht verschwiegen werden, dass eine  Triggerpunktbehandlung in der Regel schmerzhaft ist. Es werden die  Schmerzpunkte des Patienten "aufgesucht" und die Behandlung mit Druck durch  die Hand des Therapeuten oder der Stosswelle ist ebenfalls schmerzhaft.  Allerdings ist dieser Schmerz gut zu ertragen, da der Patient selber  bestimmt wie viel Schmerz ihm zugemutet wird.

Nach Beendigung der Behandlung hört auch der Behandlungsschmerz rasch auf und der Patient ist nicht weiter beeinträchtigt.

Wie oft muss behandelt werden?

Diese Frage ist nicht einheitlich zu beantworten da Ursache und Dauer der  Schmerzen so unterschiedlich sind wie die Patienten selber und jeder  Patient unterschiedlich auf die Behandlung anspricht.

Bei einer  leichten akuten Oberschenkelzerrung die nach 2 Wochen nicht ausgeheilt  ist und bei der Triggerpunkte verblieben sind kann eine einzige Sitzung  ausreichen.

Bei einem chronischen Schmerz der sich über Jahre  entwickelt hat und ganze Körperareale betrifft können Monate vergehen  bis der Patient von seinem Triggerpunktsyndrom befreit ist.

In  der Regel findet eine Behandlung pro Woche statt. Die Erfahrung zeigt,  dass schnelle und häufige Behandlungsfolgen nicht zu einem schnelleren  oder besseren Ergebnis führen.

Können Triggerpunkte wieder kommen, wie kann man dem vorbeugen?

Je nach Auslöser der Triggerpunkte (akut oder chronisch) können diese auch nach der Behandlung erneut auftreten.

Ist ein Unfall oder Sportereignis Ursache gewesen ist die Behandlung  der Triggerpunkte als kausal anzusehen. D. h. die Ursache ist beseitigt.

Liegt eine chronische Fehlhaltung am Arbeitsplatz zugrunde muss diese vom Therapeuten erkannt werden und es sollte vom Patienten eine  Änderung dieser Gewohnheit erfolgen sonst droht ein Wiederauftreten der  Beschwerden (Rezidiv).

Liegt eine strukturelle Veränderung des Skelettes vor, wie zum  Beispiel eine Hüftarthrose oder Wirbelsäulenverbiegung, so ist die  eigentliche Ursache nicht behandelt.
Hier wäre ggf. das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes angezeigt.
Die Erfahrung zeigt jedoch das gründlich behandelte Triggerpunkte auch bei  zugrundeliegender Hüftarthrose lange verschwunden bleiben. Auf diese Art kann oft eine Operation hinausgezögert werden.

Wenn man die betroffenen Muskeln und deren Funktion kennt, kann man  gezielt die Haltung am Arbeitsplatz verändern, man kann ein  Trainingsprogramm anpassen und man kann die Muskulatur durch  wiederholtes dehnen vor ein erneuten Verkrampfung bewahren.

Besonderheit Fibromyalgie und Triggerpunkte

In Vielem von dem was oben erklärt wurde, werden sich die Patienten  wiederfinden denen man erklärt hat sie leiden unter einem  Fibromyalgiesyndrom.

In der Tat gibt es Ähnlichkeiten bei diesen Krankheitsbildern. Es ist uns ein Anliegen an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass es  Fibromyalgie gibt, aber die Wissenschaft es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschafft hat, genau herauszufinden welche Krankheitsursache  hinter dieser Schmerzkrankheit steht. Es gibt noch keinen Bluttest und  kein anderes Verfahren das diese Krankheit nachweisen kann.
Aus diesem Grund gibt es auch noch keine effektive Therapie oder Heilung.

Man spricht in der Medizin bei der Fibromyalgie von einer  Ausschlussdiagnose, d.h. wenn man alle anderen Ursachen für die vom  Patienten geschilderten Beschwerden ausgeschlossen hat und bestimmte  Kriterien erfüllt sind wird diese Krankheit Fibromyalgie genannt.
Das bedeutet aber auch, dass die Möglichkeit von Triggerpunkten als Ursache ausgeschlossen werden muss und dies ist bei vielen Patienten nicht  erfolgt.
Man schätzt, dass ca. 20% der Patienten die ausgeprägte  Triggerpunkte haben auch Fibromyalgie haben und ca. 70% der  Fibromyalgiepatienten auch Triggerpunkte.
Man kann also “€žLäuse und Flöhe” haben und zumindest den einen Teil könnte man mit der Triggerpunktbehandlung verbessern.